„Painkiller Knives“ – NGZ vom 26.11.2025

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Wie ein Neusser Hausarzt in seiner Garage japanische Messer schmiedet

Rosellen · In Handarbeit fertigt Tom Reetz in seiner Neusser Garagenwerkstatt hochwertige Messer. Unter dem Namen „Painkiller Knives“ vertreibt der Arzt die Unikate nun über seinen eigenen Webshop. Ein Werkstattbesuch.

Für Tom Reetz gibt es nur ganz oder gar nicht, wenn es um seine Hobbys geht. Und so gleicht die Garage der Familie Reetz inzwischen einer perfekten Werkstatt für Schmiedekunst, in der in Handarbeit hochwertige Messer entstehen. „Für alles gibt es doch Videos“, sagt der 58-Jährige bescheiden. Denn sowohl die Ausstattung der Geräte als auch sein Wissen sind beeindruckend. Souverän referiert er über die Härtegrade und die Zusammensetzung der verschiedenen Stahlarten, die optimale Temperatur und Dauer von Kühlvorgängen oder die Techniken des „Taperns“.

Die fertigen Messer vertreibt Reetz unter dem Namen „Painkiller“ mit seiner eigenen kleinen Firma. Foto: Iris Wilcke

Ausgerüstet mit Schmiedeschürze und -handschuh sowie mit Schutzbrille und Atemmaske erhitzt Reetz das Material immer wieder. Am Bandschleifer, dem Hauptinstrument des Messerbauers, trägt er Material ab, um die Kontur zu formen und das Messer schließlich für den Feinschliff vorzubereiten.

Die Härtung erfolgt im Härteofen und in Öl – dazu ist sekundengenaues Timing gefragt. Zum Abschluss kommt das Werk in Trockeneis, wird dann „angelassen“, damit es für die Nachbehandlung am Bandschleifer etwas weicher wird. Jeder Härtetag läutet eine neue Generation ein. Inzwischen ist Reetz bei der siebten und gibt zu, dass er im Vergleich zu den ersten Versionen „eine unheimliche Lernkurve“ hatte.

Selbstverständlich sind auch die Griffe selbst gemacht. Auch dabei gerät der Hobby-Handwerker ins Schwärmen: „Ich habe Walnuss, Zebrano oder Ulme,“ zählt er nur einige der Holzarten auf. Er veredelt sie durch einen besonderen Schliff, der die Griffe achteckig macht. Astlöcher füllt er mit Epoxidharz aus, Farbe oder ein besonderes Finish mit Öl beenden den Veredelungsprozess. „Das macht mich glücklich,“ sagt Reetz.

Seine Akribie und seinen hohen Anspruch an Material und Form erkennt man sofort, wenn man ihn bei der Arbeit beobachtet. Gyuto, Petty oder Santoku heißen die fertigen Kunstwerke, die natürlich auch in der Reetz’schen Küche im Einsatz sind. Aber er vertreibt seine Werke auch unter dem Namen „Painkiller“.

Der begleitet den ambitionierten Rennradfahrer schon länger, denn das ist sein „Fahrrad-Name“, unter dem Reetz in Tracking-Apps zu finden ist. Auch tragen alle seine – natürlich überwiegend selbstgebauten – Rennräder diesen Schriftzug, den seine Ehefrau Petra gezeichnet und gemeinsam mit Tochter Jana zum Logo des Kleinunternehmers entwickelt hat. Painkiller geht zurück auf ein Lied von Judas Priest, das Reetz gerne beim Training hört.

Für die Fotos in seinem Webshop hat er extra eine Kamera angeschafft und sich – nachdem die ersten knapp 10.000 (Test-)Fotos nicht zu seiner Zufriedenheit ausfielen – am Ende noch eine Fotobox gebaut. Im Keller der Familie, der nun augenzwinkernd „Showroom“ genannt wird, liegen die fertigen Unikate parat für den Versand. 240 Euro soll etwa Modell G017 kosten, ein „Go Mai Kiritsuke“-Messer mit dunkel geätzter Klinge und Nussbaumgriff.

Jedes Messer ist signiert mit „PK“ und dem japanischen Schriftzeichen für Liebe. Auf Wunsch fügt der Arzt eine individuelle Lasergravur hinzu.

 

Von Iris Wilcke

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